Ein Tag im Kinderhaus

 
Die Kinder treffen jeden Tag zwischen 7:30 Uhr und 8:30 Uhr im Kinderhaus ein.
An der Garderobe machen sie sich selbständig fertig für den Tag, der mit dem gemeinsamen Morgenkreis beginnt.


Unser Morgenkreis

Die Kinder erleben gemeinsam immer wiederkehrende Rituale (Stille - Minute mit Klangschale, Geburtstagsfeier, Erzählkreis zu Wochenend- und Urlaubserlebnissen), Spiele und Lieder. Neben der Vermittlung sachlicher Inhalte (auf Jahreszeiten bezogene Themen) werden soziale Kompetenzen gefördert und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Alle Kinder und Erzieherinnen sitzen auf Matten im Kreis. In der Mitte ist eine Eislandschaft, nachgebildet aus Styropor und eisblauem Papier, aufgebaut. Auf dieser Eislandschaft stehen von den Kindern selbst gebastelte Pinguine. Die Kinder erfahren Verschiedenes über Lebensraum und Leben dieser Tiere. Eine Weltkarte veranschaulicht ihnen die Lage der Polarregionen. Besonders interessant ist es für die Kinder zu erfahren, dass Pinguine und Eisbären nie zusammen in der Natur vorkommen. 

Im Anschluss an die Gesprächsrunde wird der Kreis mit einem Spiel aufgelockert. Die Kinder bewegen sich nach Eisbärenart rhythmisch durch den Raum und singen mit den Erzieherinnen das Lied vom Eisbären „Nubuk“.

Nach dem Morgenkreis kann jedes Kind selbst darüber entscheiden, in welchem Raum es den Vormittag verbringen möchte.  

Da die Anzahl der Kinder in jedem Raum durch die Raumgröße begrenzt ist, haben wir ein System der freien Wahl entwickelt, das die Kinder dabei unterstützt, selbständig zu sein und alle Angebote selbstbestimmt zu nutzen. Dabei helfen vier unterschiedliche "Buttons" pro Kind, die für jeweils einen anderen Raum pro Tag im Verlauf der Woche eingesetzt werden können. So lernen die Kinder sich bereits früh zu organisieren und zugleich wird sicher gestellt, dass jedes Kind mit den unterschiedlichen Themen in Berührung kommt.

Innerhalb dieser Zeit findet ebenfalls das Frühstück statt. Vor dem Mittagessen haben die Kinder die Möglichkeit, sich im großzügigen Aussengelände auszutoben. Während der Nachmittagsbetreuung ist freies Spiel und 'Arbeiten' in kleinen Gruppen vorgesehen.

Wir legen Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von freiem Spiel und wiederkehrenden Ritualen, wie zum Beispiel der Morgenkreis oder auch das Zähneputzen nach dem Mittagessen, damit die Kinder früh Achtung vor sich selbst und Selbstbestimmung lernen.

Der Freitag ist als Waldtag für das Erlebnis in der Natur reserviert. Hier lernen die Kinder unmittelbar und spielerisch, verantwortungsvoll mit ihrer Umwelt umzugehen.

 

Unsere Räume


Der Montessori Raum

Im Montessori-Raum befinden sich gut sichtbar in offenen Regalen die Montessori - Materialien, ergänzende Arbeitsmaterialien und die Bücherecke. Die Materialien sind ansprechend und ordentlich sortiert, so dass jedes Kind Freude an der Arbeit hat. Gemäß der Pädagogik von Maria Montessori finden sich Materialien für alle sensiblen Phasen der Kinder. Auch die Übungen des täglichen Lebens sind jeweils an den Entwicklungsstand der Kinder angepasst und bieten eine vorbereitete Umgebung.

Zwei Kinder wollen die braune Treppe aufbauen. Nachdem der Arbeitsteppich ausgerollt ist, holt jeder ein braunes Prisma, bis alle zehn Teile auf dem Teppich liegen. Sie bauen gemeinsam die Treppe auf und lassen begeistert eine Murmel die verschiedenen Stufen herunterrollen. Der unterschiedliche Klang fasziniert die Kinder. 

In der Ecke der „Übungen des täglichen Lebens“ gibt es ein lautes Gepolter. Ein kleineres Kind steht dort völlig erstarrt mit einem halbleeren Bohnenkorb in den Händen. Der andere Teil der Bohnen liegt vor ihm auf dem Boden. Die Erzieherin stellt mit ihm gemeinsam den Korb auf den Tisch und zeigt dem Kind wo Handfeger und Schaufel hängen. Das Kind möchte selbständig kehren und lässt die Bohnen mit viel Schwung im hohen Bogen über die Schaufel fliegen. Die Erzieherin fragt:„ Darf ich es dir noch einmal zeigen?“ Sie führt die Bewegungen sehr langsam aus und zeigt so genau, worauf es beim Kehren ankommt.

In der Leseecke kommt eine Diskussion auf. Zwei Kinder halten ein Dinosaurierbuch in der Hand und unterhalten sich darüber, welche Dinos Fleisch- und welche Pflanzenfresser waren. Dabei vergleichen sie die Bilder mit ihrem eigenen Wissen.

 

Das Spielzimmer

Hier gibt es zwei unterschiedliche Spielbereiche: die Puppenwohnung und den Bauplatz. Die Kinder lernen im gemeinsamen Rollenspiel sich aufeinander einzulassen, eigenständig zu spielen und Probleme gemeinsam oder mit Hilfe einer Erzieherin zu lösen. 

Heute wird die Erzieherin zum Essen in die Puppenwohnung eingeladen. Dort hat die Mutter ein leckeres Essen gekocht und den Tisch gedeckt. Nachdem die Babys schlafen gelegt wurden, klingelt es an der Tür. Der Vater ist von seinem Einkauf zurück und entscheidet, dass er nun lieber eine Höhle bauen möchte. Schnell ist der Tisch abgeräumt und mit Hilfe von Tüchern und Wäscheklammern eine Höhle gebaut. 

Auf dem Bauplatz haben zwei Kinder über die gesamte Fläche eine Holzeisenbahn aufgebaut. Da es kaum noch freien Raum gibt, ist es faszinierend, wie sie gekonnt über Gleise und aufgebaute Häuser und Bäume hinwegsteigen, ohne dass etwas umfällt. Gerade wird eine Eisenbahn mit Hilfe eines Kranes beladen und dann geht es auch schon in rasantem Tempo über Brücken und durch Kurven.

Im Regal an der Wand stehen neben vielen Tieren auch Autos und andere Gefährte. Holzbausteine, Brettspiele und eine Kugelbahn ergänzen das Angebot, so dass hier jedes Kind etwas findet, das sein Interesse weckt.

 

Der Malraum

Ein Torbogen neben der Puppenwohnung ist der Eingang zum Malraum. Hier sind Kinder mit Werkarbeiten ihrer Wahl beschäftigt. Es wird fleißig gemalt, geschnitten und geklebt.

Aus einer Milchtüte wird eine Sausebrause (Windspiel) gezaubert. Ein anderes Kind stempelt mit Korken und Deckfarben Figuren auf Tonkarton und ein weiteres ist damit beschäftigt, eine Papiereule mit Buntpapierschnipsel zu bekleben. Dabei verwirklicht jedes Kind seine Vorstellungen und Ideen.

An den Wänden sind rundherum Regale für die Materialien angebracht: Kisten voll mit Pappschachteln und Rollen, Dosen, Wolle, Stoffe, Filz, Korken, Muscheln, Federn usw. Auf den unteren Regalen steht für die Kinder direkt zugänglich alles Wichtige zum Anfertigen von Mal – oder Bastelarbeiten. Buntstifte, in kleinen Gläsern nach Farben sortiert, Scheren, Kleber, Kleistertöpfe, Locher, Tacker, Handabroller mit Klebeband und natürlich Malpapier laden dazu ein, eigene Werke zu kreieren. In einer Ecke gibt es ein großes Waschbecken und im Regal darüber stehen Wasserfarben und Pinsel bereit.

Im Regal stehen auch vorbereitete Tabletts mit verschiedenen Arbeitsvorschlägen, die eigenständig nachgearbeitet werden können. Damit wird feinmotorisches Arbeiten geübt und am Ende entsteht eine selbstgefertigte Bastelarbeit.

Vor dem Fenster steht außerdem ein Schuhkarton, der zu einerTheaterbühne mit einem roten Filzvorhang umgestaltet wurde. Requisiten und Theaterfiguren sind für den Auftritt auf feste Pappe gemalt und an einem Metallstab befestigt. Und dann gibt es da noch die große Kiste, welche zu einem Boot umfunktioniert wurde und bestimmt bald auf eine weite Reise in See sticht.

 

Die Küche

Mit frisch gewaschenen Händen überlegen die „Kochkinder“ gemeinsam mit der Erzieherin was heute Leckeres zubereitet wird.  Es gibt viele unterschiedliche Angebote, vom Karotten schälen und schneiden, Orangensaft pressen, Nudeln kochen, bis zum Pfannkuchen backen.

Ein Junge möchte heute Butter machen. Auch er hat sein Tablett auf die Arbeitsfläche gestellt. Jetzt schüttet er Sahne in ein kleines Marmeladenglas. Er schraubt es feste zu und beginnt zu schütteln.“ Oh, wie lange dauert  das denn noch. Ich kann nicht mehr.“ Die Erzieherin ermutigt:“ Schau mal die Sahne wird schon ganz flockig. Jetzt dauert es nicht mehr lange. Gib noch mal ein bischen Gas.“ Kurze Zeit später macht es Plopp. Da ist ein dicker Klumpen. Der Junge blättert in seinem Kochbuch, nimmt sich dann Schale und Sieb und schüttet alles in das Sieb. Die Molke läuft nach unten und die fertige Butterkommt zum Vorschein. Er trägt sie stolz zum Frühstückstisch, holt sich noch eine Scheibe Brot und schmiert seine selbstgemachte Butter auf das Brot.  Genüsslich genießt er sein Butterbrot.

Ein köstlicher Duft durchzieht die Küche. Der erste Pfannkuchen backt in der Pfanne.

Ein Kind hat sich heute für diese Arbeit entschieden. Geschickt wendet es gerade den Pfannkuchen. Ein anderes Kind meint: „Du, mein Apfelmus ist schon fertig. Wollen wir teilen? Ich krieg von dir einen Pfannkuchen und du bekommst von dem Apfelmus was ab!“ Gesagt, getan. Auch die Zwei lassen sich ihr Essen schmecken. 

 

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